Im Herzen einer Hafenstadt
Ich wäre bei Hvide Sande auf vieles gekommen, aber nicht auf den Begriff „Stadt“. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Einwohner dieses dänischen Ortes das selbst so sehen. Und wenn man nach deutschem Recht ab 2000 Einwohner von einer „Stadt“ spricht, so bedingt es doch mindestens 5000 derselben, um als „Kleinstadt“ zu gelten.
Aber ist das wirklich wichtig? Manche mögen glauben, ich wäre Erbsenzähler. Dabei bin ich diesbezüglich eher verträumt romantisch. Als Kompromiss wähle ich deshalb bis auf Weiteres „Hafenstädchen“ (weil mir Fischstädchen zu sehr nach Käpt’n Iglos Panadestangen aus Meerestieren klingt). Und nein: Es ist nicht wichtig. Viel zu lange habe ich Hvide Sande [ˈviːðə ˈsanə] sprichwörtlich nicht auf der Karte gehabt. Über Jahrzehnte fast jedes Jahr (manchmal auf mehrmals) in Jylland als Urlauber unterwegs, kannte ich Hvide Sande nur vom Durchfahren. Nicht einmal für einen kurzen Zwischenstopp am Hafen oder im Zentrum hat es gereicht. Wie sich herausstellen sollte, haben Katharina und ich deswegen einiges verpasst: Zugegebenerweise stolpert man in den Sommermonaten auch über viele Touristen. Aber Hvide Sande hat eben auch tolle Cafés, 3 bis 4 Restaurants, diverse Fischhändler und alles, was man für einen kurzen oder eben auch ausführlichen Einkaufsbummel benötigt …

Nicht gerade ums Eck für das Nordlicht, das kurz vor den Alpen lebt. Aber für sein Sehnsuchtsland und den Anblick und den Geruch der Nordsee nimmt man eben so Einiges in Kauf. Da vergehen die 13 Stunden Autofahrt mit Frau und Hund eigentlich wie im Fluge. Erst Recht, wenn man in seiner Heimat einen Stopp einlegen kann und extra nicht durch den Tunnel fährt, sondern den Umweg über die Elbbrücken nimmt. So kann man nebenbei schauen, was sich verändert hat und ob die Elphi noch steht. Vergessen ist der Packstress der Vortage. Das Gequängel des braunen Vierbeiners, das erst aufhört wenn er schon mal in seinen „Dr. Bark“ auf der Rückbank darf. Das Schlafdefizit zu Fahrtantritt gegen 0:00 Uhr.
Alles wie weggewischt, wenn man über die Hannoversche Tiefebene gen Hamburg und dann in Richtung Flensborg/Grænse „fliegt“. … Aber nun wieder von den Stationen entlang der A7/E45 zurück nach Hvide Sande. Vor 2,5 Jahren waren wir das erste Mal direkt im Ort eingemietet und haben uns sofort verliebt. Der Strand, der Hafen, die Nähe zu Ringkøbing im Norden des Fjords, zu Nymindegab mit der schönsten Kurve Jyllands im Süden. Und wer sich für Technik und Geschichte interessiert, der kommt auch nicht zu kurz. Ob Bunkerreste des Atlantikwalls wie überall an der Küste oder aber die Möglichkeit der Führung durch die Schleusenanlage. Der geneigte Leser kennt ja meinen Lieblingsdänemark-Podcast von Chris (https://klitly.de/podcast/) – hier lege ich doch allen die Folge #35 ans Herz … ääähm Ohr:
Wen es wie uns immer wieder nach Hvide Sande verschlägt, der weiß eh wovon ich hier berichte. Und wer bisher wie wir früher gelegentlich in Richtung Norden (z.B. für den Urlaub in Søndervig) hier durchfährt, der plant beim nächsten Mal einfach eine zusätzliche Stunde ein, macht einen „technischen Halt“ … und schaut sich einfach mal die Umgebung rund um den Hafen an – Fischbrötchen bzw. Fish ’n Chips nicht vergessen 😉
Wir sind demnächst erneut für eine Woche in Hvide Sande (wie meistens über Esmark) und verschaffen uns ein Bild über das Städchen in der kalten Jahreszeit. „Aber wenn du Hvide Sande im Winter überstanden hast, dann bleibst du ….“ zitiert Tim Uhlemann die Einheimischen: Schaun wir mal – auf jeden Fall werden wir wiederkommen.